Schlagwort: Meinung

  • Vom unglaublichen Luxus, seine Meinung ändern zu können

    Vom unglaublichen Luxus, seine Meinung ändern zu können

    Bb andere Menschen genauso fühlen? Für mich ist es eine Mischung aus Wut, Scham und Neugier die dann (mal früher – mal später) der Dankbarkeit weicht.

    Dieses Gefühl, in dem Moment wenn ich merke, 

    Der andere hat Recht
    (oder er könnte zumindest Recht haben. Zumindest zum Teil. Ein klein wenig … 😗)

    Muss ich wirklich zu allem meinen Senf geben – nur um nicht dumm dazustehen? Muss ich immer Recht behalten. Habe ich überhaupt eine Meinung dazu? Ist es MEINE Meinung oder nur eine, die ich irgendwo aufgeschnappt habe?

    Es ist ein Unterschied, eine Meinung haben oder sich eine Meinung zu bilden?

    Ich lebe in einer Welt, in der sich die meisten Dinge von heute auf morgen ändern können.

    • Firmen gehen den Bach runter und andere werden über Nacht Milliardenschwer
    • Menschen töten sich
    • Länder führen Krieg
    • Kinder kommen auf die Welt und werden Erwachsen
    • Partnerschaften werden beschlossen und andere getrennt.
    • Ideen werden zu globalen Phänomenen
    • …

    Und ich tue gut daran, gefälligst eine Meinung dazu zu haben.

    Aber warum eigentlich? Und kann ich abgesehen davon, zu allem eine Meinung haben.

    Das einfachste ist, ich übernehme, was Facebook und Google sagen.

    Es ist doch ziemlich anstrengend, wenn ich mir wirklich eine eigene Meinung bilde.

    Das Risiko einer eigenen Meinung?

    Was, wenn ich falsch liege? Die Leute könnten den Kopf schütteln und mich auslachen.

    Falsch liegen kann ich auch mit der Meinung anderer. Aber dann kann ich zumindest die Schuld beim anderen suchen.

    Aber was bedeutet „falsch“?

    War es falsch, damals auf der Hauptschule zu bleiben? Eine Lehrstelle zu beginnen? Mich für die Bundeswehr zu verpflichten? In ein Auto zu steigen? Um Monate lang im Krankenhaus zu liegen? Um dann meine Frau kennenzulernen? Um dann meinen besten Freund zu verlieren? Um dann von einer Freundin nochmal zur Schule und Studium geschleift zu werden? Um 15 Jahre lang alle Jobs hinzuschmeißen? Um dann, nach der Hälfte meines Lebens, noch immer (fast) alles in Frage zu stellen …?

    Um dann was???

    Keine Ahnung!

    Ich erlaube mir den unangenehmen Luxus, meine Meinung zu ändern. Wenn es sein muss sogar täglich.

    Ich werde sehr skeptisch, wenn mir jemand sagt „bleib wie du bist“.

    Eins ist sicher (oder eher vier)

    Es gibt vier Säulen in meinem Leben

    A) Die Liebe zu meiner Frau, meinen Kindern und meiner Familie.

    B) Meine Gesundheit (Körperlich & Geistig). Diese Säule ist nur so stark, wie a)

    C) Die Gewissheit, mich jeden Tag für ein glückliches Leben zu entscheiden zu können.

    D) Neugierig, unkonventionell und warmherzig alles aus meinem Leben herauszuholen – bis jemand MEIN Spiel abpfeift oder mich mit Gewalt vom Platz holt.

  • Denk bloß nicht nach

    Denk bloß nicht nach

    Wenn du nachdenkst, hast du ein Problem.

    Nachdenken führt dazu, das du zukünftig noch mehr Zeit zum Nachdenken hast.

    Eine Meinungen zu haben, macht dich verwundbar.
    Auch wenn du sorgsam darüber nachgedacht hast.
    Insbesondere wenn es sich um eine andere Meinung handelt.

    Mal angenommen, es gibt ein Problem im Unternehmen, für das du arbeitest. Für den kommenden Tag ist ein Meeting dazu einberufen.

    Du könntest dir jetzt zwei Stunden Zeit nehmen, um dich intensiv mit dem Problem auseinanderzusetzen. Es abzuwägen und durchzukauen. Dir andere Meinungen anzuhören. Es von allen Seiten zu betrachten, um schlussendlich zu einer Lösung zu kommen. Oder zumindest der Lösung einen Schritt näher zu sein.

    Die Risiken:

    a) Du kommst zu einer anderen Schlussfolgerung als die anderen (die nicht nachgedacht haben)
    b) Du kommst zu dem gleichen Ergebnis (und hast zwei Stunden mit nachdenken vergeudet)

    Mal angenommen, du stehst also in dem Meeting auf und trittst vor. Du präsentierst deine Meinung und riskierst etwas.

    Die Chancen stehen nicht schlecht, dass du als Unruhestifter und Querulant abgestempelt wirst.

    Warum? Weil niemand anderes sich die Arbeit gemacht hat.

    Du wirst auch niemanden von deiner Meinung überzeugen können.

    Wenn du erwartest, das auch nur irgendjemand mit dem Kopf nickt und sagt: „Klar, das klingt gut. Danke das du darüber nachgedacht hast“ – liegst du falsch.

    Wenn die andern so einfach zu überzeugen wären, würde das ja so aussehen, als hätten Sie Ihren Job nicht gemacht. Es würde der Eindruck entstehen, sie ließen sich leicht von anderen Argumenten überzeugen, was wieder bedeuten würde, das sie nicht genug über die eigene Meinung nachgedacht haben.

    Stattdessen zeigen Sie (die Nichtnachdenker), dass sie bereits über Ihre Überlegungen und Argumente nachgedacht haben und sich eine andere Meinung gebildet haben (was sie ja nicht getan haben). Sie werden Gründe finden, weshalb deine Meinung nicht die Richtige sein kann.

    Anstatt sich an Fakten zu halten, reagieren sie mit „Bullshit Bingo“ – Fakten tauchen selten in einer Widerlegung auf.

    Dinge wie:

    • „du berücksichtigst nicht das ganze Bild
    • „wenn das so einfach wäre“
    • oder das es nicht mit dem strategischen Plan übereinstimmt (den niemand kennt)
    • oder Sie nennen jemanden (der nicht im Raum ist) als Grund: „Das habe ich auch gedacht, aber Karl, oh nein, der möchte, dass es so gemacht wird.“

    Wenn Du hier jetzt zu weit gehst, wirst du einfach beim nächsten Meeting nicht mehr eingeladen. Weil jeder nun weiß, dass du dir die Arbeit machst. Und das würde ja bedeutet, dass er durch deine Einladung gezwungen ist, über die Dinge nachzudenken, Argumente zu finden usw.

    Kurz gesagt, dich einzuladen bedeutet mehr Arbeit für alle anderen.

    Was wiederum bedeutet, das du weniger Zeit in Meetings verbringst und mehr Zeit hast nachzudenken.