Zerstören ist einfach. Ein Satz im Flurfunk, ein Screenshot auf WhatsApp, ein abfälliger Kommentar über „die da oben“ oder „die da drüben“, und schon kippt Stimmung und Vertrauen. Aufbauen ist genau das Gegenteil. Es ist eher Wiederholen von leisen, sauberen Schritten, auch wenn niemand klatscht und keiner ein Like gibt.
Es wirkt oft so, als würden die, die alles kaputt hauen, gewinnen, und die, die sich was trauen, verlieren. Das liegt daran, dass Zerstören schnell und laut, während Aufbauen langsam und leise ist.
Genau deshalb gewinnen am Ende die „Brückenbauer“ und die Gestalter. Die Zerstörer langweilen sich und ziehen weiter. Und wir, wir kommen zurück und fangen wieder an.
Ich lebe davon, beides zu beobachten. Als Headhunter sitze ich zwischen Kandidaten, die wechseln wollen (oder müssen), und Auftraggebern, die suchen. In der Mitte liegt oft kein Fachkräftemangel, kein Marktproblem, kein „die Generation XYZ will nicht mehr“. In der Mitte liegt Unklarheit. Und Unklarheit ist der beste Freund der Zerstörung.
Es ist leicht, über Arbeitgeber zu lästern. Es ist leicht, Recruiting als Zirkus zu beschreiben. Es ist leicht, Kandidaten in zwei Worte zu pressen: zu alt, zu teuer, zu kompliziert, zu weich, zu hart. Das fühlt sich schlau an, weil es schnell ist. Aber es bringt niemanden in einen besseren Job, und es bringt kein einziges Unternehmen zu besseren Entscheidungen.
Wenn ein Kandidat mir sagt: „Ich hasse meinen Job“, ist das verständlich. Aber es ist noch keine Richtung. Wenn ein Auftraggeber mir sagt: „Wir brauchen dringend jemanden“, ist das nachvolziehbar. Aber es ist noch keine Suche. Beide Sätze klingen irgendwie nach Bewegung, sind aber sind einfach nur unklar.
Klarheit heißt nicht „ich bin motiviert“ oder „ich suche etwas Neues“. Klarheit heißt:
– Was „kann“ ich wirklich? nachweisbar, wiederholbar.
– Was „will“ ich als Nächstes? Nicht nur wovor ich weglaufen will.
– Welche Art von Verantwortung suche ich? Und was bin ich dafür bereit zu tun?
Klarheit heißt bei Auftraggebern nicht „wir suchen ein Talent“. Klarheit heißt:
– Welches Problem soll diese Rolle in den ersten 3/6/9 Montaen lösen.
– Woran erkennt ihr Erfolg nach welchem Zeitraum
– Welche Wahrheiten über den Job udn das Unternehmen würdet ihr einem sehr guten Kandidaten lieber nicht gleich erzählen, weil sie euch unangenehm ist?
Sobald das sauber auf dem Tisch liegt, wird es ruhiger und echter. Und plötzlich wird es lösbar.
Ich sehe auch, warum das so schwer ist. Klar zu werden kostet. Es kostet Ausreden. Es kostet die Story, die man sich selbst erzählt. Es kostet manchmal auch das Ego, weil man zugeben muss, dass man entweder zu bequem war, zu unpräzise oder zu konfliktscheu. Aber genau da beginnt Veränderung.
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