Einsatz, verwehrt (#490)

1995, eine Unterschrift, und der Traum vom Soldatenleben begann. Ich sitze vor einem Bundeswehroffizier der sagt: „Unterschreiben Sie hier, dann können Sie jede Waffe abfeuern, die die Bundeswehr hat. Das braucht man einem 19-jährigen Heißsporn nicht zwei ,al sagen. Also, unterschrieben! Ab nach Koblenz, Panzergrenadierbataillon 342. Sturmgewehr, Panzerfaust, Uzi, Pistole, Raketenwerfer, MGs – einmal alles, bitte.

Die Unteroffizier Ausbildung war hart und fordernd. Aber das war es, was ich wollte. Eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Doch dann? Die ersten Marschbefehle liegen dem Bataillon vor – Bosnien. Das ist kein Spiel mehr, das wird ernst. Die Realität trifft dich, wenn der Einsatz ruft.

Bevor die ersten gingen, haben wir nochmal gefeiert. Eine letzte Nacht. Aber dann: Autounfall. Zwölf Schwerverletzte, ein Toter. Ich war einer der Verletzten. Gebrochene Wirbelsäule, 80 % Dünndarm weg, teile vom Dickdarm und der Milz – weg. Vier Monate Krankenhaus. Mein Gewicht von 76 auf 56 Kilo.

Mein Ziel? Rückkehr zur Truppe. Also Reha hinten dran – drei Monate Kampf und Wiederaufbau. Nach 7 Monaten war ich wieder bei meiner Einheit.

Aber der Einsatz? Der wurde mir verwehrt. Schwimmen, Märsche, etc – alles untersagt – aus Haftungsgründen. Die Ansage lautete: „Holen Sie die mittlere Reife nach.“ Also, ich hab’s durchgezogen. Mittlere Reife, dann Abitur und Studium.

Das Leben stellt dich vor neue Herausforderungen. Und wenn der Weg sich ändert, passt du dich an und marschierst weiter.

Manchmal zwingt dich das Leben in eine neue Richtung – aber nur du entscheidest, wie du den nächsten Schritt machst.

Und wie bei so vielen „schlimmen“ Erfahrungen … war das eine der besten, die mir passieren konnten. Und heute kann ich voller Klarheit sagen: „Ich würde das ganze nochmal so erleben wollen!!“


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