Ich habe in meinem Leben viele Räume gesehen.
Büros. Unterrichtsräume, Hörsäle, Militärstuben, Werkhallen, OP-Säle und Aufwachräume. Aber keiner war so ehrlich wie der Raum in meiner Reha.
Da gibt es kein Publikum oder irgendwelche Follower, keine tollen Titel und kein Image. Nur Metall, Schmerzen und die Frage: Hebst du das Gewicht oder hebst du es nicht. Gehst du den Schritt oder nicht? Keine Ausreden. Keine Show.
„Die Reha lügt nicht“ habe ich mal gelernt.
Genau an diesen Raum musste ich denken, als ich gemerkt habe, dass ich Teile meines Lebens nicht mehr liebe, sondern nur noch verwalte. Ich hielt Systeme und Projekte am Laufen, Rollen und Images aufrecht, die sich längst nicht mehr wie ICH angefühlt haben.
Viele Menschen starten ins neue Jahr und wollen mehr, großer, weiter, schneller, schöner … wie ein Unternehmen in der Überexpansion. Mehr Mitarbeiter, mehr Strukturen, mehr Verwaltung, mehr …?.
Wir skalieren uns selbst aus unserm eigenen Leben heraus. Und irgendwann berührt uns nichts mehr direkt.
In der Reha gibt es so was nicht.
Zu schwer ist zu schwer und Zu viel ist zu viel.
Und deine Verantwortung kannst du nicht abgeben.
Ich habe irgendwann gemerkt, dass mein eigentliches Problem nicht „zu wenig Fokus“ war, sondern dass ich die falschen Gewichte gehoben habe. Die glänzenden. Die beeindruckenden. Die, die nach Erfolg aussehen. Die, die ich mir selbst schöngeredet habe.
Die schweren, rostigen, echten Gewichte… die, die mich weiterbringen lagen daneben. Und ich hab sie ignoriert, weil sie mich gezwungen hätten, ehrlich mit mir zu sein.
Das war der Punkt, an dem ich verstanden habe, dass ich ein besserer „Berater“ für andere war als für mich selbst. Ich habe überall Talent erkannt, Potenzial entdeckt, Rollen hinterfragt, Klarheit geschaffen. Nur nicht bei mir.
Bis ich angefangen habe, mich selbst wie einen Kandidaten zu betrachten.
- Was ist mein echter Job.
- Welche Last ist wirklich meine.
- Welche Rolle spiele ich, weil sie mir Anerkennung bringt.
- Welche Aufgabe gibt mir Energie statt Status.
- Und welches „Gewicht“ halte ich immer nochfest, obwohl es mich schon zu lange am Boden hält.
Das neue Jahr ist für mich kein Expansionsprogramm … Es ist eine Neubewertung meiner Gewichte.
- Was will ich wirklich heben.
- Was gehört endlich abgelegt.
- Und was suche ich eigentlich schon viel zu lange nicht mehr.
Denn am Ende ist es wie in der Reha:
Nur das Gewicht zählt, das du tatsächlich bewegst.
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