„Dein Leben als Mensch reduziert auf 3 Seiten

Wer von uns glaubt wirklich, das unsere Lebensläufe den zeigen der wir wirklich sind?
519.000 Ergebnisse erhalten sie, Wenn Sie heute „Muster Lebenslauf“ bei Google eingeben
(Über 77 Mio. übrigens bei „cv sample“).
Lebensläufe sind schon ein paar Jahre alt und nicht erst seit der Neuzeit im Einsatz – der Ursprung des Lebenslaufes geht wohl auf die Zeit von Leonardo da Vinci zurück (1482). In einem Empfehlungsschreiben an die Familie Sforza listete er detailliert seine Fähigkeiten als Bauingenieur, Architekt und seine Erfindungen im Bereich der Militärtechnik auf. Der detaillierte Lebenslauf hat sich wohl gelohnt – Leonardo wurde angestellt und arbeitete mehr als 20 Jahre für die Sforzas.
Bis auf das Medium (von Papier zu Bildschirm), hat sich also nicht viel geändert. Schreibmaschine, Fax, Handschrift, Word, pdf, Webseite, interaktiv, per Video, Social Media … Die Inhalte bleiben gleich.

Ich habe in den letzten Jahren sicherlich schon viele tausend Lebensläufe gesehen und festgestellt, dass man geneigt ist, dabei (zu) schnell zu entscheiden und zu werten: Schöne und hässliche Kandidaten/Kandidatinnen (Teilweise zu schön, oder zu hässlich). Oder man wird von einem schönen Format geblendet, hängt sich an Rechtschreibfehlern auf oder packt Kandidaten allzu schnell in eine Schublade. Der Blick fällt auf den Geburtsjahrgang. Wenn jetzt der Personalentscheider noch 30 Jahre jünger (oder älter) ist als der Bewerber, wird es eng.
Da kann der Kandidat vor kurzem erst einen Marathon gelaufen sein. „Der ist fast so alt wie mein Opa“.
Und leider ist das zutiefst menschlich. Wir ziehen vergleiche und holen uns aus unserem Erfahrungsschatz Referenzen. Ich nehme mich da nicht aus. Meine beiden Großväter sind beide sehr jung gestorben. Meine Großmütter wurden beide weit über 90. Welchen Einfluss hat das auf meine Alterseinschätzung bei Bewerbungen? Ich weiß es nicht. „Die heißt ja genauso wie die doofe Zicke aus meiner Klasse“. „Der sieht aus wie Onkel Hans, der alte Nazi“. Wer sich hier weiter einlesen möchte bitte sehr http://www.anti-bias.eu/allgemein/interviewer-bias-urteilsfehler-im-bewerbergespraech/

Gefühlt werden es mehr Bewerbungen (zum Teil) und leider werden sie auch immer vergleichbarer. Obwohl Karrierewege „unlinearer“ werden, sehen viele gleich aus.
Ob jemand ein richtig guter Entwickler ist, sehe ich nicht am CV. Ob mich jemand als Verkäufer charmant „um den Finger wickelt“ oder den ganzen Raum mit seinem positiven Auftritt einnimmt, bemerke ich nicht. Viele stellen Ihre Erfahrungen nicht heraus oder vergessen Sie einfach aufzuführen. Tun sie es doch, kann es schnell zu viel werden (Man will die „lesenden“ ja nicht überfordern). Für die Fachabteilung reicht es dann oft nicht, was er oder sie gemacht haben.

Als Unternehmen müssen sie heute ihre Homepage nach SEO Richtlinien optimieren, um besser bei google auffindbar zu sein.
Ab sofort, sollten Sie das auch in Ihrem Lebenslauf tun.
Lesen Sie bitte hier
https://www.gulp.de/knowledge-base/rund-ums-projekt/seo-fuer-ihren-lebenslauf-8-tipps-fur-freelancer.html

Das Roboter keine Rechtschreibfehler im Lebenslauf verzeihen, sollte spätestens nach dem folgenden Artikel auch klar sein
(siehe hier http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/personalvermittler-im-gespraech-computer-verzeihen-bewerbern-keine-rechtschreibfehler-14455336.html).

Die Top 10 Floskeln in Lebensläufen in Deutschland:

„motiviert“, „leidenschaftlich“ und „kreativ“ (waren die Top 3) Dahinter folgen:
– Umfangreiche Erfahrungen
– Proaktiv
– Teamplayer
– Erfolgsbilanz
– Mehrwert
– Ergebnisorientiert
– Problemlöser

Meine Top 3 Einleitungssätze (oder nehmen sie jeden beliebigen aus anhängendem „Floskelbingo“):
– Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung auf dem Portal XY gelesen und möchte mich mit diesem Schreiben bei Ihnen bewerben …
– Sehr geehrter Herr/Frau XY,
mit diesem Schreiben möchte ich mich bei Ihnen auf die bei Jobbörse XY ausgeschriebene Stelle als YZ bewerben …
– Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bewerbe ich mich mit außerordentlichem Interesse bei Ihnen auf die ausgeschriebene Stelle als YZ, von der ich durch Ihren Mitarbeiter AB erfahren habe …

Floskelbingo

Da war jemand die letzten 10 Jahre beim gleichen Arbeitgeber und hat keinerlei Erfahrungen, wie man einen Lebenslauf schreibt oder was heutzutage in Form, Ansprache, Motivationsschreiben, Zeugnisse usw. von Ihm erwartet wird. Gefühlt schießen sich also bereits die Hälfte der Bewerber (geeignete und weniger geeignet) durch den Lebenslauf aus dem Rennen. Keine Angst, dafür bringen sich genauso viele wieder ins Rennen, einfach weil sie gut aussehen oder der Lebenslauf einfach gut gemacht ist.

Das es ohne Lebenslauf geht, beweist die Praxis. „Hat sich so ergeben“, höre ich dann meistens von den Bewerben, wenn ich nach dem letzten Job frage, und wie sie dazu gekommen sind. Wenn ich dann tiefer gehe, kristallisieren sich meist die folgenden 2-3 Gründe heraus, woran es gelegen hat:

  • Netzwerk
  • Eier (In Alehnung an Oliver Kahn „Eier, wir brauchen mehr Eier“)
  • Anstrengung/Wirkung (Hierauf werde ich in einem anderen Artikel weiter eingehen.)

Meist sind die Einstellungsentscheidungen bereits getroffen und der Bewerber muss „der lieben Ordnung halber“ seine Unterlagen dann noch nachliefern. Er befindet sich aber in einer gänzlich anderen Position, nicht mehr in der, des Bittstellers. Aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung kann ich sagen, das ich die wichtigsten beruflichen Stationen alle ohne die vorherige Abgabe eines Lebenslaufs erreicht habe (Danke Andre M., Ibrahim U., Ulrich U., Nicola D., Harald W., Hans-Jürgen F., Frank K. …).
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Als Personalentscheider ist ein Lebenslauf sehr hilfreich. Allerdings sollte ich ihn eben nicht überbewerten. Es gibt so viele Gründe, jemanden „trotz oder wegen“ seines Lebenslaufes einzustellen.

Wie es auch auf Firmenseite gehen kann lesen sie hier:
https://allmaxx.de/magazin-uniglobale/global-village/lebenslauf-brauchen-wir-nicht

In meinem Unternehmen habe ich bisher 11 Mitzarbeiter eingestellt. 3 Mitarbeiter anhand von Lebensläufen und 8 (fast) ohne. Raten Sie mal, wer noch da ist? 😉

Sollten sie einmal einen ungeschönten Blick auf Ihr Unternehmen riskieren wollen – schreiben Sie mir bitte hier (Link)
„Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt“
(Zitat von Rudi Assauer mit ungefährem Sinn, dass alles was schief gelaufen ist oder versucht wird zu verschleiern, irgendwann zum Vorschein kommt.
Spätestens wenn die Party vorbei ist.)

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2 Antworten auf “„Dein Leben als Mensch reduziert auf 3 Seiten”

  1. Ich habe letztens einen Artikel gelesen, dass bei immer mehr Unternehmen ein Umdenken bezüglich des Lebenslaufes stattfindet. Besonders im IT-Bereich entwickeln Firmen eigene Tests bei denen der CV nicht interessiert, sondern ob jemand programmieren kann oder eben nicht.

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