R wie Ruhe

„Halt doch endlich deinen Mund“
Zu meiner aktiven Verkäuferzeit habe ich mir das oft selbst gesagt. Einfach mal den Mund halten und das Gesagte wirken lassen. Seinem Gesprächspartner auch mal die Chance geben etwas zu sagen und nicht wieder einfach drauf los zu plappern.

Reden wird häufig überbewertet. Leider ist uns das oft erst im Nachhinein klar. Dann eben, wenn der Mist schon ausgesprochen wurde. In Meetings habe ich oft das Gefühl, das mehrere Personen das Gleiche sagen, jeder umständlicher als der Vorherige.

Imponiergehabe und Rechthaberei um uns zu profilieren. Wir fühlen uns sicher, sobald wir uns in einem Redeschwall befinden. Wir reden auf Leute ein, mit dem Ziel Sie oder deren Meinung zu ändern. Sie zu überzeugen von unserer strahlenden Weisheit und der einzigen Wahrheit.

„Ich brauche keine Lösung von dir. Ich möchte einfach das du mir zuhörst um des Zuhören willen“ sagt meine Frau zu mir sobald ich mit irgendwelchen Weisheiten oder Lösungsvorschlägen um die Ecke komme.
„Ich halte das Vorgehen XY für das Beste, machen Sie es bitte so“, hört man die Führungskraft zum Kollegen sagen und Ihm somit seine Weltsicht aufdrängt und eben keinen Spielraum für eigene (bessere) Ideen lässt. Dem Mitarbeiter nimmt die Führungskraft die Verantwortung und den Raum zu wachsen.

Wer gibt uns das Recht?

Meiner Meinung nach nehmen wir unsere Mitmenschen zu selten ernst. Nur weil wir eine Erfahrung gemacht haben, muss sie nicht bei anderen auch funktionieren. Unsere Kinder stöhnen regelmäßig auf und verdrehen nach kurzer Zeit Ihre Augen, wenn ich mit irgendwelchen ausschweifenden Erklärungen, Beweisen und Ratschlägen um die Ecke komme. Ich lese dann in Ihren Augen „Komm zum Punkt, Papa“.

Wir alle erwarten Dinge von den Menschen und vom Leben. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, reagieren wir emotional.

Mein Sohn hat mir eine der wichtigsten Lektionen im Leben beigebracht. Als ich ihm in meiner großartigen Weisheit einmal erklären wollte, wie das mit den Wolken und dem Regen zustande kommt, war er einfach nicht interessiert und ich daraufhin beleidigt.

“Papa, das interessiert mich nicht”.

Ich dachte mir, “jetzt nehme ich mir schon mal die Zeit ihm das zu erklären, dann hat er doch gefälligst mal zuzuhören…” Oder nicht!?

Wer gibt mir das Recht?

Woher nehme ich die Berechtigung auch nur irgendetwas von meinem Kind zu erwarten… ?

Weil ich sein Vater bin? Weil ich das Geld verdiene? Weil er die Füße unter meinem Tisch stellt…?

Niemand gibt mir das Recht von meinem Sohn Interesse und Begeisterung über ein Thema zu erwarten, dass Ihn nicht interessiert. Ich wollte gut vor Ihm dastehen mit meiner Erklärung, und mit meinem “ach so tollen” Wissen glänzen. Am Besten sollte er all seinen Klassenkameraden und deren Eltern erzählen was für ein toller Hecht ich bin.

“Wer gibt uns das Recht irgendetwas von irgendjemandem zu erwarten?”

Wer gibt mir das Recht, zu erwarten,  das mich meine Frau jeden Tag gut gelaunt und zuvorkommend mit Liebe überschüttet und mir jeden Wunsch von den Lippen abliest – nur weil wir verheiratet sind?

Wer gibt mir das Recht ein “Danke” von meinem Chef zu erwarten, weil ich der Meinung bin gute Arbeit zu leisten?

Wer gibt mir das Recht, zu erwarten nicht krank zu werden, nur weil ich jeden Tag Sport mache und mich gesund ernähre?

NIEMAND

Deine Erwartungen sind das was sie sind, “DEINE” Erwartungen. Die Erwartungen anderer sind die Erwartungen anderer.

Es lebt sich wesentlich einfacher mit diesen Gedanken und ich scheitere jeden Tag daran.

Jedes Leben ist für sich einzigartig und mit nichts zu vergleichen. Was maßen wir uns an, jemandem ungefragt Ratschläge zu geben die in den meisten Fällen sowieso nicht angenommen werden.

Wer Dein Schweigen nicht versteht, versteht auch Deine Worte nicht. – Elbert Hubbard

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