Meine Angst (#164)

Da gibt es den Ängstlichen, der unter sein Bett schaut, und den Ängstlichen, der sich nicht einmal traut, unter sein Bett zu schauen. (Jules Renard)


Ich habe kein Telefon dabei um irgendwo anzurufen.

Mein Herz rast und ich laufe so schnell ich kann. Den Krankenwagen werde ich aber nicht einholen. Langsam wird die Sirene leiser und ich kann nicht mehr rennen. Ich muss stehen bleiben.

Fährt er zu uns nach Hause? Was, wenn irgendetwas passiert ist? Ist irgendetwas mit den Kindern?

Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Endlich zuhause angekommen rufe ich nach meiner Frau und muss alle Kinder in Sicherheit wissen. Vorher komme ich nicht zur Ruhe.

So schnell bin ich diese Strecke nie wieder gelaufen stelle ich im Nachhinein fest.

Angst ist eine ziemlich starke Emotion. Sie kann uns zu Höchstleistungen antreiben. Zu viel darüber nachgedacht kann Sie uns auch lähmen. Sie ist Segen, Fluch und machtvolles Risiko gleichzeitig.

Wir schieben dann Dinge auf, die eigentlich getan werden müssten. Nicht aus Faulheit sondern aus Angst. Die Angst davor etwas falsch zu machen. Das etwas schief geht. Das man dum dasteht. Das andere lachen.


Als wenn das nicht schon genug wäre, haben wir neben der eigenen Angst, noch Angst für andere. Wir wollen also nicht nur unseren Schmerz nicht haben. Wir wollen ihn auch für andere vermeiden. Wir verbieten unserem Sohn freihändig zu fahren aus Angst vor dem Schmerz wenn er hinfällt.


Es ist, als würde es in mir leere Orte geben, nur damit sie sich mit Angst füllen können.


„Wenn ich ehrlich bin habe ich einen ganz schönen Respekt vor der neuen Herausforderung“. Respekt steht hier meistens für Angst und das „wenn ich ehrlich bin kommt irgendwie entschuldigend rüber“

Ist Angst etwas, dessen wir uns schämen müssen?

Die Angst ist wirklich da. Sie ist real. Wovor wir Angst haben, liegt noch in der Zukunft. Ist also ungewiss.


„Wenn ich nicht freundlich genug entgegenlächle und fein nicke, mag er mich bestimmt nicht. Ich muss ihm doch gefallen. Er muss doch sehen das ich ein feiner Kerl bin“

  • „In in Birkenstock die Kids in den Kindergarten bringen – no way“
  • Ein Blick in den Spiegel bevor ich aus der Tür gehe.
  • Die neuen Klamotten
  • Die Rasur
  • Der Haarschnitt
  • Die neuen Schuhe
  • Bunte Socken
  • Das Auto jeden Samstag waschen
  • Die Straße gekehrt und die Fenster geputzt
  • Bloß nicht zu laut lachen.
  • Nicht zu gut gelaunt sein wenn es den anderen scheisse geht.
  • Der Wettbewerb der betretenen Gesichter auf der Beerdigung eines Menschen der sein Leben lang und in vollen Zügen ausgekostet hat.
  • Das vertreten der eigenen Meinung oder eben das für sich behalten.
  • Die nicht ausgesprochene Kritik an der schlechten Leistung des Mitarbeiters
  • Das vertreten des eigenen Denkens

Die Angst vor dem Regen wird mit dem Schirm pariert. Die Sonne mit LSF 50 bekämpft. Dem Wind mit der neuesten Funktionsjacke Paroli geboten und der Kälte mit beheizten Socken.


Bei der Bundeswehr mussten wir Nachts reflektierende Sicherheitswesten anziehen um nicht von Autos überfahren zu werden. Aber Hauptsache die Gesichter waren mit Tarnschminke bemalt.

“Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.” (Epiket)

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