Den Hektikern die Macht (#172)

Irgendwann hatte er die Schnauze voll

z.B…. als mein Vater vor vielen Jahren die verknotete Lichterkette durchgeschnitten hat. Geht schneller – macht aber die Lichterkette kaputt.

Industrie bedingt Schnelligkeit und Masse. Das Ergebnis ist eine ungeduldige Menschheit die keine Atempause mehr kennt.

Wer voran geht, hektisch handelt, drängelt und schubst – hat recht. Der Ungeduldige verliert?

Wo uns die Geduld ausgeht, kommen die Hektiker an die Macht. Versprochen wird, an was sich niemand mehr erinnert. Die Geduldigen gelten ja meist nur als nett und führungsschwach.

Wilder Aktionismus der alles verspricht und nichts einhält. Die neuen Besen, die wie wild kehren und nur Muskelkater und tiefe Wunden bei allen hinterlassen.

Der Chef darf mit seinen Untergebenen ungeduldig sein. Umgekehrt bedeutet es Revolution.

Die wirklichen Ziele brauchen Geduld und Ausdauer. Und vor allen Dingen müssen wir wissen, wo wir hin wollen.

Leider wissen wir oft nicht, wo wir hin wollen, kommen dafür aber schneller an.

Wir geben uns mit den kurzfristigen Befriedigungen zufrieden. Wir springen von Werbepause zu Werbepause, und im Radio spielen sie keine Songs mehr die länger sind als 3,5 Minuten. Traut man uns nicht mehr zu?

Jeden Tag etwas Neues erleben. Das nächste Häppchen. Der nächste Kick. Kleine Krümel der Befriedigung führen uns zu immer mehr Frust und Enttäuschung.

  • Keine Ausdauer
  • Keine Beharrlichkeit
  • Keine Geduld
  • Bloß nicht Langstrecke.
  • Nicht dranbleiben
  • Bitte alles jetzt und sofort.

Die wirklich wichtigen Dinge soll doch bitte jemand anderes machen. Dafür habe ich keine Zeit. Ich bin zu beschäftigt in meinem wilden, aktionistischen Alltag.“

Wir vermitteln damit den Eindruck maximal engagiert zu sein. Für was wir uns engagieren wissen wir meist selbst nicht.

Zukunft bedeutet für viele von uns nur noch das nächste Quartalsergebnis.

Denken erfordert Zeit und Anstrengung.

Wer sich nur am Rande mit seinem eigenen Leben beschäftigt, muss zusehen wie andere für ihn die Entscheidungen treffen.

Abwarten

Das ist nicht einfach. Das erfordert Zeit, Geduld, Sinn und Zweck. Doch wie kommen wir dazu? Wo und wie können wir das lernen. Wer bringt einem das bei? Los, schnell, sofort her mit der Antwort.

„Ich kann doch jetzt nicht abwarten. Am Ende nimmt mir noch jemand weg was ich eigentlich gar nicht brauche“

„Wer wartet den bestraft das Leben“ heisst es. Ganz egal auf was wir warten, wir wollen es direkt. Egal ob wir es brauchen oder nicht.

Wenn das Projekt in die Hose geht, starten wir eben das nächste.

Der Job ist scheisse? Bewerben wir uns eben für 10 andere.

Das Handy, das Auto, die Partnerschaft, das Leben… Alles doch irgendwie austauschbar. Deshalb gibt es auch den Lebensabschnittsgefährten. Ob das dann beide Partner so sehen bleibt offen.

„Geduld bedingt das Wissen um das eigene Wollen“

Und wir?

  • Wir schließen Webseiten wenn sie nicht nach 2 Sekunden geladen sind.
  • Beenden Partnerschaften nach dem ersten richtigen Streit oder wenn eine vermeintlich bessere Option um die Ecke kommt.
  • Kündigen den Job nach der ersten richtigen Kritik.
  • Wechseln im Stau 10 mal die Spur
  • Beenden die Mitgliedschaft im Fitnessstudio wenn sich innerhalb von ein paar Wochen der Sixpack noch nicht zeigt.
  • Fühlen uns vor dem Frühstück bereits gehetzt.
  • Sind nicht mehr in der Lage 5 Minuten nichts zu tun.
  • Gehen ohne Handy nicht mehr ins Bett geschweige denn aufs Klo
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