Das erste Mal (#507)

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ — Seneca

Wann habe ich eigentlich aufgehört, Risiken einzugehen? Wann genau habe ich angefangen, lieber die sichere Variante zu wählen, statt einfach das zu tun, was ich wirklich wollte?

Plötzlich war da diese Angst vorm Fallen – und sie ist geblieben.

Ich habe mal alte Nachrichten durchgescrollt und meine Tagebücher überflogen. Gespräche mit Menschen, die mir mal wichtig waren. Freundschaften, die irgendwie im Sand verlaufen sind. Chancen, die ich einfach vorbeiziehen ließ. Dinge, dich ich „unentschieden“ gelassen habe.

Und ich frage mich: Wann genau ist das passiert? Wann habe ich die sichere Wahl über die richtige gestellt?

Kennst du diese Momente? Dieses unangenehme Ziehen im Bauch, wenn eine Entscheidung ansteht. Weil sie unbequem ist. Weil sie uns aus unserer Komfortzone rausschleudert. Weil sie uns verletzlich macht. Aber von denen du weißt – „Ey, die könnten jetzt mein Leben verändern“

Seien wir ehrlich: Genau diese Entscheidungen sind die, die unser Leben prägen.

Ich sehe es ständig – als Unternehmer, Vater, Ehemann, Headhunter, als Autor, als Mensch:

Die erfolgreichsten und glücklichsten Leute sind nicht die, die keine Angst haben. Es sind die, die die Angst spüren – und trotzdem handeln. Die sich nicht von ihrem eigenen Kopf blockieren lassen, sondern genau diese Angst als Sprungbrett nutzen.

Seit drei Jahren führe ich eine Mut/Angst-Liste (Danke Stefan Merath ). Ich notiere alles, was mich zögern lässt – egal, wie groß oder klein. Manchmal entscheide ich mich dann „ok, ich tue es trotzdem“. Manchmal lasse ich es bewusst sein, und gehe meiner Angst noch etwas auf den grund. Manchmal zerlege ich es in handhabbare Schritte. Und rate mal?

Es hilft. Ich bin selbstbewusster, kann besser mit Unsicherheit umgehen und treffe Entscheidungen, ohne dass mich die Angst lähmt. Und vor allem: Ich sehe meine Angst inzwischen als Antrieb – nicht als Hindernis.

Mut ist oft gar nicht laut. Es sind nicht die großen Reden oder die epischen Gesten. Mut ist leise. Er steckt in den kleinen Momenten.

  • In dem Moment, in dem du endlich dieses Gespräch führst, das du seit Wochen vor dir herschiebst.
  • In dem Moment, in dem du deinen Eltern sagst: „Ich hab euch lieb.“ (Ja, das war wirklich eine Angst.)
  • In dem Moment, in dem du bewusst „Nein“ sagst.
  • In dem Moment, in dem du den Job kündigst, der dich schon viel zu lange ausbremst.
  • In dem Moment, in dem du „Ja“ sagst – obwohl dein Kopf nur schreit: „Was, wenn’s schiefgeht?“

Mut heißt nicht, sicher zu sein. Es heißt, zu springen – auch wenn du die Landung nicht siehst. Es heißt, zu handeln, obwohl dein Herz rast und brennt. Es heißt, dir selbst zu vertrauen, selbst wenn Zweifel dich begleiten.

Die Frage ist nicht, ob du Angst hast – sondern wo hält dich deine Angst zurück? Und was würdest du tun, wenn du sicher wüsstest, dass du nicht scheitern kannst?


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