Hilflosigkeit hat ein neues Kostüm (#511)

„Verwechsele nicht Wut mit Schmerz oder dem Gefühl, hilflos zu sein.“

Ich hatte diesen Satz vor Jahren notiert. Einfach so. Auf einem Zettel. Damals wusste ich noch nicht, wie oft er mich retten würde.

Denn Wut – meine Wut – war nie nur Wut. Sie war der Deckmantel. Die Maske. Der Bodyguard meiner verletzlichsten Stellen.

Wenn ich wütend war, war ich oft eigentlich enttäuscht. Wenn ich explodierte, fühlte ich mich oft innerlich verloren. Wenn ich andere anging, wollte ich eigentlich nur: dass mich jemand sieht.

Ich dachte, Wut macht mich stark. Unantastbar. Unabhängig.

Aber in Wahrheit war ich einfach nur… hilflos.

Und Hilflosigkeit ist schwerer zuzugeben als jedes Wutbeben.

Weil Hilflosigkeit dich nackt dastehen lässt. Ohne Verteidigung. Ohne Ausrede.

James Altucher sagte mal:

„Jedes Mal, wenn ich wütend bin, versuche ich zu fragen: Was tut gerade so weh, dass ich lieber auf andere zeige, als es selbst zu fühlen?“

Bam.

Genau das.

Die Wahrheit ist:

Wut ist ein einfacher Weg.

Schmerz – der echte, rohe, nicht-schönzurechtgelegte Schmerz – ist der schwere Weg.

Aber er führt irgendwohin.

Wut dreht dich nur im Kreis.

Ich schreibe das hier nicht, weil ich alles verstanden habe.

Sondern weil ich heute – wieder einmal – kurz davor war, mich in meiner Wut zu verlieren.

Und dann diesen Satz las:

„Verwechsele nicht Wut mit Schmerz oder dem Gefühl, hilflos zu sein.“

Also atmete ich tief durch.

Setzte mich hin.

Und fragte mich ehrlich:

  • Was tut gerade wirklich weh?
  • Wo fühle ich mich ausgeliefert
  • Was will ich kontrollieren, das ich nicht kontrollieren kann?

Und weißt du was? Die Antwort war nicht schön.

Aber sie war wahr.

Und diese Wahrheit hat mich wieder ein Stück zu mir gebracht.

Wut ist laut. Schmerz ist leise.

Aber nur einer von beiden bringt dich zurück zu dir.

Was steckt hinter deiner Wut?


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