Manchmal finde ich alte Texte wieder, die ich nicht geplant habe zu veröffentlichen.
Aber die mich selbst wieder erinnern.
An das, was zählt.
Was fehlt.
Und was zu sagen sich keiner mehr traut.
Der folgende Text entstand an einem Morgen, an dem ich das Gefühl hatte:
Jetzt reicht’s.
Und vielleicht spürst du beim Lesen auch:
Jetzt reicht’s.
„Wo kämen wir denn hin?“
Niemand geht mehr den ersten Schritt.
Weil alle Angst haben, anzuecken.
Zu provozieren.
Falsch zu sein.
Denn sobald du dich bewegst, kannst du sicher sein:
Einer fühlt sich getroffen.
Zwei fühlen sich beleidigt.
Drei wissen es besser.
Und der Rest schaut zu.
Und schweigt.
Oder haut drauf.
Die Leute warten.
Auf was?
Keine Ahnung.
Auf Sicherheit vielleicht.
Auf Zeichen.
Auf jemanden, der ihnen sagt, was richtig ist – ohne dass sie dafür selbst Verantwortung übernehmen müssen.
Und wehe, da steht dann wirklich einer auf.
Jemand, der sich bewegt.
Der sagt: „Ich will so nicht mehr.“
Der geht.
Anders.
Echt.
Verletzlich.
Mutig.
Der seinen eigenen Takt läuft.
Der sich selbst wiederfindet.
Dann wird’s ungemütlich.
Denn wer sich selbst findet, hält anderen den Spiegel hin.
Und das mögen die wenigsten.
Also tun sie das, was sie gelernt haben:
Sie kritisieren.
Verurteilen.
Relativieren.
Isolieren.
Weil sie sich selbst nie erlaubt haben, loszugehen.
Und plötzlich stehst du da.
Mit deinem Schritt.
Mit deiner Wahrheit.
Mit deinem „Ich kann nicht mehr anders.“
Und niemand klatscht.
Niemand jubelt.
Stattdessen fragen sie dich:
„Wo kämen wir denn hin, wenn das jetzt jeder machen würde?“
Ganz einfach.
Wir kämen dahin, wo Menschen wieder aufhören, sich selbst zu verraten.
Wo Mut mehr zählt als Anpassung.
Wo Wahrhaftigkeit nicht mehr bestraft, sondern bewundert wird.
Wir kämen dorthin, wo das Leben wieder nach Leben schmeckt.
Aber klar:
Das wäre zu einfach, oder?
Wenn du gerade da stehst – an dieser Kante – und dich fragst, ob du den Schritt wagen sollst:
Dann hör nicht auf die Stimmen, die nie gegangen sind.
Sondern frag dich selbst:
„Wo käme ich denn hin, wenn ich’s nicht tue?“
Und wenn du dabei nicht allein sein willst:
Dann schreib mir.
Ich geh den Weg nicht, weil ich alles weiß.
Sondern, weil ich selbst durch bin. Und noch viele male vor mir habe.
Weil ich weiß, wie weh es tut.
Aber auch, wie frei man wird.
Vielleicht ist es Zeit, dass du dich erinnerst.
Entdecke mehr von Nicht jeder Zweifel ist ein Problem
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

