„F“ wie „first impression“ (#61)

Ich bin heute etwas spät mit meinem täglichen Artikel. Deshalb etwas weniger umfänglich.

„Lassen sie uns Bitte mal das Fenster aufmachen bevor wir den nächsten Kandidaten rein bitten.“

Ein weiterer Kommentar war nicht nötig. Der Bewerber war wirklich gut. Äußerlich gepflegtes auftreten, gewinnendes Wesen und ausgesprochen gut vorbereitet. Perfektes Englisch und die nötigen Erfahrungen für die Position. Alle waren sich einig, so jemanden suchen wir. Leider war mir auch klar, das es genau dieser Mensch nicht werden würde obwohl es niemand ausgesprochen hatte.

Dieser Kerl stank gewaltig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte hier niemanden aufgrund von Äußerlichkeiten oder seiner Körperdünste abwerten. Aber für einen Termin morgens um 8 mit der Inhaberschaft eines Unternehmens für eine Einkaufsleiterposition mit über 150.000€ Jahresgehalt, kann man sich duschen und einen Anzug anziehen der nicht nach kaltem Rauch stinkt (und das durchgehend in allen 3 Terminen). Rein rational, war er der ideale Kandidat und gehörte eingestellt. Die Bauchentscheidungen der Beteiligten trafen leider eine andere Entscheidung. Bei aller fachlichen und persönlichen Kompetenz. Hier konnte man sich sprichwörtlich nicht riechen.

  • Schade? –  Ja
  • Nachvollziehbar? – Keine Ahnung
  • Menschlich? – In jedem Fall
  • Fair? –  Wahrscheinlich nicht

Darum geht es aber leider nicht. Es geht um Menschen und um menschliche Entscheidungen. Wir sind eben nicht immer Objektiv. Auch wenn jemand zu 100% auf alle Anforderungen passt, muss es nicht die Richtige Person sein.

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Stellen Sie sich vor, wir alle würden unsere Lebenspartner Objektiv aussuchen? Ich wäre wahrscheinlich auf ewig alleine 😉

Schließen sie mal für einige Minuten die Augen.

  • Wie wirken Sie auf andere?
  • Wie möchten Sie auf andere wirken?
  • Zeigt Ihr Äußeres den Eindruck den Sie erwecken wollen?
  • Wenn Sie ein Fremder wären, welchen ersten Eindruck würden sie von sich bekommen?
  • Welchen zweiten Eindruck?
  • Was stört Sie wirklich an sich?
  • Wie haben andere in der Vergangenheit auf Sie reagiert?
  • Wie reagieren Sie wenn Sie andere Menschen kennen lernen?
  • Was mögen Sie an sich?
  • Was nicht?
  • Auf was achten Sie bei anderen besonders?
  • Was könnten Sie verändern?

Wir Menschen sind nun mal emotionale Wesen und der erste Eindruck definiert sich immer über das Äußere. Das ist nicht immer fair, aber so läuft es eben. Das ist übrigens bei Lebensläufen auch der Fall.

In dem obigen Fall bekam der Kandidat die Stelle nicht. Gründe wurden genannt. Ob es die wirklichen Gründe waren? Ich kann es nicht beantworten.

18 Tipps für solche Situationen

  1. Treten Sie gepflegt auf.
  2. Waschen sie die Kleidung die Sie tragen.
  3. Rauchen Sie wenn möglich am Tag der Bewerbung nicht (Kaugummis bringen nicht immer etwas, glauben Sie mir). Es gibt Menschen die reagieren extrem empfindlich auf Zigarettenrauch.
  4. Hunde, Katzen usw.: Es gibt nicht nur Tierliebhaber, und die Gerüche Ihrer Lieblinge setzen sich gerne in unserer Kleidung fest.
  5. Seien sie freundlich. Auch zum Rezeptionisten oder dem Taxifahrer (Ich kenne Unternehmen die befragen diese Menschen. Ich kenne sogar ein Unternehmen, das schickt bei wichtigen Gesprächen immer den gleichen Taxifahrer um den Kandidaten abzuholen und befragt diesen nach seinem Eindruck)
  6. Schütteln Sie die Hände richtig. Oder fühlt sich ihre Hand an wie ein nasser Waschlappen?
  7. Seien Sie vorbereitet, über sich, ihre Position und Firma zu sprechen.
  8. Bereiten Sie sich wenigstens auf eine Frage vor: „weshalb würden sie wechseln?“ oder abgewandelt „warum sind Sie hier?“
  9. Merken Sie sich die Namen ihrer Gesprächspartner.
  10. Googeln Sie die Interviewpartner.
  11. Verwenden Sie dezentes Parfüm (wenn überhaupt).
  12. Seien Sie pünktlich.
  13. Schalten Sie Ihr Handy, ihre Uhr, Ihr Tablet usw. AUS
  14. Haben sie ein paar Geschichten auf Lager die ihre Erfahrungen und Erfolge untermauern.
  15. Bringen Sie Beweise … für das was sie ausmacht und für die Dinge in denen sie gut sind.
  16. Kennen Sie ihren Preis. Fangen Sie bei der Frage nach ihren Gehaltserwartungen nicht an zu stottern. Sagen sie ganz klipp und klar was Sie wollen.
  17. Bonustipp: bleiben Sie am Ball nach dem Gespräch
  18. Bonustipp 2: halten Sie sich an Vereinbarungen aus dem Gespräch.

Top 26 Aussagen die sich nicht bringen sollten und weshalb:

  1. „Ich hasse meinen Job weil …“ (Evtl. hassen Sie diesen Job auch irgendwann)
  2. „Ich habe in einigen Wochen Urlaub geplant.“ (Warten Sie bitte mit Ihren Urlaubswünschen bis Sie ein wirkliches Job Angebot haben. Ihre Urlaubspläne interessieren ersteigert niemanden)
  3. „Mein Vorgesetzter ist ein (Schimpfwort Ihrer Wahl)“ (Was werden Sie in ein paar Jahren über ihren zukünftigen Chef sagen wenn nicht alles so läuft wie sie es sich vorstellen?)
  4. „Mein jetziges Unternehmen ist $%&G/7%.“ (siehe oben)
  5. „Wie ist die Bezahlung?“ (Lassen Sie dem Unternehmn den Vortritt.)
  6. „Wie viele Urlaubstage gibt es?“
  7. „Ab wann kann ich Urlaub nehmen?“ (Warten Sie bitte mit solchen Fragen bis sie ein Angebot auf dem Tisch haben.)
  8. „Übernehmen Sie die Reisekosten?“ (bitte am Ende des Bewerbungsprozesses Fragen.)
  9. „Ist es ok, wenn ich diesen Anruf annehme?“ (Schalten Sie Ihr Telefon AUS.)
  10. „Ich brauche diesen Job?“ (Möchten Sie wirklich so rüber kommen?)
  11. „Ich möchte XYZ verdienen, bin aber verhandlungsbereit.“ (Sagen Sie nichts was Sie im nächsten Satz wieder revidieren)
  12. „Ich habe nicht alle geforderten Erfahrungen aber ich lerne schnell.“ (Lassen Sie Ihren Gesprächspartner bewerten ob Sie qualifiziert genug sind und fokussieren Sie sich auf das was Sie können.)
  13. „Das kann ich lernen.“ (Überlegen Sie sich vorher, WIE sie die Dinge, die sich nicht können , lernen können. Welche Maßnahmen können Sie nennen um bei XYZ voran zu kommen).
  14. „Das steht doch in meinem Lebenslauf.“ (Ja, aber evtl. möchte Ihr Gesprächspartner es von Ihnen hören.)
  15. „Ich habe noch einen Termin (Rückfahrt, Taxi oä), wie lange dauert das Gespräch?“ (Planen Sie ausreichend Zeit ein.)
  16. „Bitte entschuldigen Sie, ich bin zu spät.“ (Kommen sie nicht zu spät.)
  17. „Ich schwöre“, „heilige scheiße“ … (Vermeiden Sie Obszönitäten, vulgäre oder ordinäre Ausdrucksweise, religiöses usw.)
  18. „Wie ist ihre Firmenpolitik bezüglich Beziehungen mit Kollegen und wie sieht es mit Werbegeschenken aus?“ (Sie schütteln mit dem Kopf??? Alles schon erlebt)
  19. „Ich habe keine Fragen.“ (Sie sollten immer eine Liste mit Fragen zur Hand haben.)
  20. „Gibt es noch andere Bewerber?“ (Macht das einen Unterschied für Sie?)
  21. „Was macht Ihr Unternehmen genau?“ (Bereiten Sie sich bitte vor.)
  22. „Wie genau sehen die Sozialleistungen aus?“ (Warten Sie damit, bis Sie ein. Angebot erhalten.)
  23. „Welchen Firmenwagen bekomme ich?“ (Siehe oben)
  24. „Ich bin immer so nervös in Interviews.“ (Das Unternehmen möchte jemanden einstellen der Überzeugt von sich und seinen Leistungen ist.)
  25. „Kann ich von zu Hause arbeiten?“ (Warten Sie damit)
  26. „Muss ich Englisch können für den Job.“ (Wenn es wichtig ist, steht es in der Stellenbeschreibung oder Ihr Interviewpartner spricht es an.)
PS: Denk daran:
  • Dieser Atemzug kann dein letzter sein.
  • Die nächste Person die du triffst, kann die letzte sein.
  • Deinen Kindern ist es egal, weshalb du schlecht gelaunt bist und welchen Stress du gerade hast.
  • Der richtige Tag kommt nie. Die eine Hälfte unseres Lebens sind wir für die Dinge zu jung, die andere Hälfte unseres Lebens sind wir für die Dinge zu alt.
Einen angenehmen Dienstag Abend,
Thimo Müller
Headhunter – Career Mentor
Dein Leben – Dein Spiel – Deine Regeln
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