„Sitz“ und „Platz“

„Sitz“ und „Platz“

Meine Kinder sind nun alle in der (Vor)Schule.
Im Zeugnis werden Sie jetzt nach Fleiß, Ordnung, Mitarbeit, Betragen und Aufmerksamkeit be/verurteilt. Es wird bewertet, wie gut Sie sich anpassen. Wie gut Sie hineinpassen in Lehrplan und Unterichtspensum. Wehe dem der aus der Reihe tanzt. Derjenige der die Dressur hinterfragt oder sich dagegen wehrt. Wer kann sich wie lange konzentrieren und still sitzen? „Rede nur wenn du aufgefordert wirst“. „Finde bitte den „einen“ Rechenweg“.

Der kleine Mensch hat dann um 06:00 Uhr aufzustehen, um pünktlich um 7:30 in der Schule zu erscheinen.

Perfekt ausgebildet als Befehlsempfänger. Trainiert für das „spätere Leben“ nach Vorschriften, Prozessen, Regeln, Ritualen und Dienstanweisungen.

Zeigen Sie mir 10 Kinder und ich zeige Ihnen 10 verschiedene Menschen.
Mutige, scheue, abenteuerlustige, listige, lustige, ruhige, laute, langsame, schnelle, künstlerische, ungestüme, vorausschauende Kinder. Und wir (be)werten alle nach dem gleichen Maßstab.

Ich weiß, Kinder brauchen Regeln. Sie benötigen klare Strukturen damit Sie nicht auf die schiefe Bahn geraten. Am Ende werden Sie noch Künstler oder so…
„Du musst 10.000 Stunden üben um es zur Meisterschaft zu bringen.“ Disziplin und Gehorsam bitteschön.

Wenn du fleißig  Sitz und Platz machst, gibt es auch ein „Leckeri“.

Ich möchte hier auf einen Unterschied aufmerksam machen. Den Unterschied zwischen selbstauferlegter Disziplin und Struktur, („Ich gehe jetzt diesen Weg und tue XY um mein „selbst“gestecktes Ziel zu erreichen“) und der Regeleinhaltung fremd auferlegter Vorschriften die „man“ einzuhalten hat. Es ist ein Unterschied ob man gehorcht, oder einen Weg geht den man selbst gewählt hat. Für beides kann ich Disziplin und Regeln benutzen. Sie können sogar befreiend sein. Wenn ich mir beispielsweise vorgenommen habe keine Kunden mehr zu akzeptieren, die Menschen wie Maschinen behandeln, wird das Leben einfacher. Wenn ich mir verspreche, Montag bis Freitag um 5:00 Uhr aufzustehen, ohne Kompromisse. Dann brauche ich mir darüber schon keine Gedanken mehr zu machen.

Das Problem:
Unsere „neue“ Zeit verlangt flexible, begeisterte, innovative und emphatische Mitarbeiter. Und genau das kommt bei der althergebrachten Disziplin in ihren festen, starren und bewährten Strukturen nicht vor. Trainiert auf Fliesband und Akten abheften, hängt die Ausbildung/Schule Jahrzehnte hinterher.

Sind wir Herz- oder Kopfmensch?

Wer also legt fest, wie wir zu sein haben?
Bei dieser Frage sind wir dann schnell wieder bei Fleiß, Ordnung, Mitarbeit, Betragen und Aufmerksamkeit.
Bin ich Schöpfer (schreibe ich ein Gedicht) oder Untersuchender (analysiere ich es)? In der Arbeitswelt unterliegt der Schöpfer dem Analyt. Der Manager erschafft nichts, er ist zum „Excelschubser“ geworden.

Wir werden noch immer darin ausgebildet, wie Computer zu handeln. Dabei gibt es davon bereits genug, und Sie werden immer schneller und schlauer. Die meisten Arbeiten nehmen Sie uns ab. Was bleibt dann für uns?

Empathie, Transferdenken, Schönheit, Kunst, Sex, Lyrik, Literatur …

Thimo Müller im November 2017
„Beratender Inspirator“

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