„Alles beschissen“ oder „gar nicht so schlecht“?

Ich brauche meine schlechten Tage.

Auf dem Rücken liegend im Bett schaue ich hoch an die Decke und kann es fühlen: Heute wird ein beschissener Tag.

Ich drehe mich auf die Seite – ein verzweifelter Versuch, wieder einzuschlafen, damit ich auf wundersame Weise aufwache und mich doch wieder gut fühle. Was soll ich sagen? Es funktioniert nicht. Ich bin wach. Das Bett ist unbequem. Mein Rücken tut weh. Aber was ist die Alternative? – Unter der Decke hervorzukommen, aufzustehen um was??? In diesem Moment fühlt es sich sinnlos an.

An solchen Tagen Trage ich die Last der Welt auf mir. Alles und alle sind gegen mich. Ich bin das lebende Selbstmitleid und erwarte natürlich auch von meinem Umfeld, das sie das anerkennen.

Tage wie diese kenne ich nur zu gut. Wenn meine schlechte Laune und meine Negativität jede Zelle meines Körpers übernimmt – feindliche Übernahme – nur ohne zu Wissen, wer mein Feind ist, wo er her kommt und was er überhaupt von mir will.

Diese kleine Flamme der Motivation ist kaum noch sichtbar. Alle Energie scheint über Nacht aus dem Körper heraus gegangen zu sein. Kälte, Schmerz und Unlust übernehmen langsam meinen Körper.

Niemand da der dich „pusht“. Keine wirklichen Verpflichtungen die mir helfen – weil alles heute seinen Reiz zu verlieren scheint.

Du überzeugst dich selbst, dass diese Dinge für niemanden wichtig sind und auch für dich keine Rolle spielen. Du siehst nur einen endlosen, faden, grauen Horizont der Gleichgültigkeit und denkst: „Nicht heute.“

Das Problem – mein Problem?

Ich bin der Meinung, meine Motivation wäre schon da. Einfach gottgegeben und abrufbar. Gleich morgens – auf Knopfdruck.

Die Motivation soll schon da sein, „bevor“ ich etwas anfange. Und wenn das eben nicht der Fall ist – dann lasse ich es besser gleich sein. 

„Ich bin heute nicht motiviert, dann lasse ich das Alles am besten gleich“.

Aber woher will ich das wissen? Woher will ich wissen, das es mir den ganzen Tag schlecht geht? 

Ich projiziere meine schlechten Gefühle aus dem „jetzt“ ins „später“. „Wenn es mir jetzt schon so dreckig geht, wie soll es mir dann erst später gehen?“

Aber stimmt das?

Gab es nicht schon Tage, an denen das anders war?

Ist das nicht unfair der Inspiration und Motivation gegenüber, wenn ich einfach nur hier liegen bleibe und auf sie warte?

Mark Manson nennt das „do something principle“. Es ist die Idee, dass unser Handeln nicht nur die Folge von Motivation ist, sondern auch Ursache. Das bedeutet, dass ich den Ball auch durch einfaches Tun ins Rollen bringen kann.

ALSO:

Bis fünf zählen, aufstehen, ohne nachzudenken unter die Dusche. Für mich oft schon die halbe Miete. Sobald das Wasser auf meine Haut kommt, passiert etwas. Meine Herzfrequenz geht hoch, mein Kreislauf kommt ins Rollen – meine Gedanken auch.

„Doch gar nicht so schlimm der Tag, wie ich gedacht habe“

Ich bin also freundlich zu mir selbst. Höre auf, mich selbst nieder zu machen, nur weil ich mal keine Lust habe. Ich sage zu mir: 

„du hast heute keinen Bock? ok. Das ist in Ordnung.“

Ich nehme mir dann nur ein paar kleine Sprints vor. 3 x 30 Minuten für den Anfang. Mal sehen, wo das Ganze hinführt.

Ich setze mich also hin, und fange an …

„Eigentlich gar nicht so schlecht heute…“
(geschrieben um 6:39 Uhr nach einer wirklich schönen Dusche und einem leckeren Kaffee neben mir)

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