B wie Bequemlichkeit, Betrug & Bauerfängerei (und beten)

auf das beten gehe ich am Ende genauer ein …

Die Stellenbeschreibungen mancher Unternehmen grenzen schon an Betrug. Die Beschreibungen haben oft nichts mit der wirklichen späteren Position zu tun. Oftmals haben die einstellenden Fachabteilungen dazu keinen genauen Input gegeben, oder es wurden einfach andere Stellenbeschreibungen übernommen. Sowie es bei Bewerbungen ein „Floskelbingo“ gibt, so gibt es bei den Stellenbeschreibungen auch eines.

Da ist dann zu lesen:

„Er ist u.a. teamfähig, flexibel, hat einen guten Abschluss, arbeitet mit Freude und Engagement und zeichnet sich durch seine Einsatzbereitschaft und eine strukturierte Arbeitsweise aus. “

Die zehn beliebtesten Wörter in Stellenanzeigen
1. u.a./unter anderem
2. Kunden
3. Team
4. Verantwortung/verantwortlich
5. Bereich
6. Zusammenarbeit
7. Beste
8. im Rahmen
9. Kolleginnen/Kollegen
10. optimieren/optimiert
Quelle: Employer Telling, 2016

Die Top Ten Worte der von Arbeitgebern gestellten Ansprüche
1. gut
2. Team
3. abgeschlossen
4. Flexibilität
5. Engagiertheit/engagiert
6. Bereitschaft
7. Freude
8. strukturiert
9. kommunikativ/kommunikationsstark
10. Einsatzbereitschaft
Quelle: Employer Telling, 2016

Dazu kommt: Nur jede Dritte untersuchte Stellenanzeige hatte eine anklickbare E-Mail Adresse enthalten – und die sei dann meist völlig unpersönlich gewesen. Die beliebtesten Varianten: „bewerbung@“, „karriere@“ und „jobs@“.

Wodurch kommt das?

Bequemlichkeit!
Es ist natürlich wesentlich einfacher die alten Anzeigen wieder herauszuholen. „Die hat doch beim letzten Mal auch funktioniert“. Oder ich suche mir im Internet eine ähnliche Anzeige für eine ähnliche Position heraus. Dann dürfen wir uns aber auch nicht wundern, wenn wir irgendwelche standardisierten Massenanschreiben wie….

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung auf dem Portal XY gelesen und möchte mich mit diesem Schreiben bei Ihnen bewerben …
  • „Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, zeichne ich mich durch eine hohe Flexibilität aus, die es mir erlaubt ergebnisorientiert anfallende Probleme zu lösen.“
  • „Ich möchte die Chance nutzen, mich in Ihrem Unternehmen menschlich und fachlich weiterzuentwickeln. Dadurch sehe ich nicht nur die Chance gegeben, selbst immer wieder auf dem neusten Stand zu sein, sondern auch gleichzeitig meine Erfahrungen als hoch qualifizierter Profi für Ihr Unternehmen produktiv einzubringen.“

Für beide Seiten (Bewerber und Unternehmen) gilt:
Treffen Sie als Bewerber und als Unternehmen nur Aussagen in Ihrem/r Anschreiben/Stellenanzeige, die Sie auch belegen können.

Hier einige Beispiele für den Bereich Soft Skills:

  • Flexibel: Um was geht es? Werden Sie konkret! Ist ihr Unternehmen ein Zirkus und suchen Sie einen Artisten? Geht es um flexible Arbeitszeiten? Um hohe Reisebereitschaft, um verschiedene Aufgabenstellungen oder einfach das Sie gehaltlich flexibel sind? Flexibel kann hier vieles bedeuten.
  • Erfolgreich: erfolgreich bei was? Haben Sie irgendwelche Auszeichnungen oder Preise gewonnen. Gibt es nachweislich Kriterien die belegen bei was Sie erfolgreich waren? Waren sie 20 mal in Folge pünktlich an ihrem Arbeitsplatz oder haben Sie im Zeitraum von 15 Monaten 12 Neukunden mit einem Neukundenumsatz von 4,8 Mio erreicht?
  • Selbstständige Arbeitsweise: wie genau wird es für den Arbeitgeber ersichtlich das Sie „selbstständig“ sind? Meine Kinder sind im großen und ganzen auch selbstständig. Als Bewerber geben Sie bitte Beispiele. Als Arbeitgeber beschreiben Sie Ihre Erwartungshaltung.

5 Tipps für Ihr Anschreiben

  1. Lassen Sie ihr Anschreiben von mindestens 3 unterschiedlichen Personen durchlesen (sowohl auf Fehler als auch auf Inhalt). Bitten Sie um brutale Ehrlichkeit! Alles andere bringt Sie nicht weiter.
  2. Achten Sie auf das „Floskelbingo“ (HIER https://thimo-mueller.com/2017/01/19/dein-leben/ ein passender Artikel dazu)
  3. Können Sie Ihre Aussagen in Ihrem Lebenslauf belegen? Dann tun Sie das! Damit heben Sie sich bereits von 95% der anderen Bewerber ab.
  4. Bringen Sie Beispiele oder bieten an, Beispiele zu erbringen. Machen Sie es wie Architekten, Künstler oder Fotografen. Erstellen Sie eine Art „ErfolgsMappe“ mit allen Ihren Erfolgen. Sammeln Sie ab heute alle Erfolge darin.
  5. Nennen Sie (haltbare) Referenzen. Fragen Sie im ehemaligen Kollegen und Bekanntenkreis nach mündlichen oder schriftlichen Referenzen die Sie nennen dürfen.
  6. Bonustipp: Geben Sie Ihre Adresse an und wie und wann Sie erreichbar sind. Sie werden staunen wie viele Bewerbungen wir erhalten bei denen wir uns Kontaktdaten, Mailadresse oder Telefonnummer heraussuchen müssen.
  7. Bonustipp 2: Benutzen Sie eine „neutrale“ Mailadresse. Nehmen Sie nicht die Adresse, die Sie erstellt haben um bei ihren Freunden Eindruck zu schinden. Wir hatten hier schon „heissehexe69@…; boyfriend666@; kuhlertuep@; mariakrohn@ …)
  8. Bonustipp 3: Bringen Sie Ihren Anhang unter 5MB. Wenn er größer sein muss, checken Sie ob das Unternehmen die Dateigröße empfangen kann.
  9. Bonustipp 4: Bringen Sie alles in eine, maximal zwei Dateien. Niemand will 9 einzeln (am besten noch eingescannte) Seiten ihres Lebenslaufs. Testen Sie das Aussehen Ihrer Daten und ihrer Mail vorab auf eine andere Mailadresse.

 

5 Tipps für Ihre StellenanzeigeKSK_Birkenfeld

Die Anzeige zeigt eine Klappleiter: Unten stehen fünf hübsche junge Frauen, oben zwei lächelnde junge Männer. Darunter der Slogan: „Gestern noch in der Schule, heute schon auf der Karriereleiter.“ Das Bild mit der Karriereleiter mag ja noch ganz passend sein, aber der Rest? Bitte … 2 Männer oben, 5 Frauen unten??? Übersetzt heisst das: Bei uns kommen die Männer in die besten Positionen, obwohl die Frauen in der Überzahl sind“

  1. Seien Sie konkret bei Ihren Anforderungen. Bringen Sie wenn nötig Beispiele. Sagen Sie, um was es geht. Ein guter Einstieg beschreibt nicht die Tätigkeit des Unternehmens, sondern das was die Arbeitnehmer dort tun, wie und wo Sie arbeiten. Sie beschreibt, wie sich die Arbeitswelt darstellt. Wie viele Standorte, Niederlassungen oder Mitarbeiter auf wieviele Länder kommen, darf getrost in Ihrem Internetauftritt gezeigt werden. Für den Mitarbeiter „Entwicklungsingenieur Papiermaschine in Stuttgart“ sind ihre Niederlassungen in Südamerika erst einmal eher zweitrangig.
  2. Nennen Sie echte Ansprechpartner für Rücksprachen. Vermeiden Sie, gerade als großes Unternehmen, die Varianten: „bewerbung@“, „karriere@“ und „jobs@“. Es entsteht einfach ein unpersönliches Gefühl bei ihrem Bewerber.
  3. Geben Sie Hintergrundinformationen zu Position sowie Unternehmen. Nennen Sie einen Link unter dem sich Ihre Bewerber weitere Informationen ziehen können.
  4. Vermeiden Sie Floskeln. Allerorts suchen Unternehmen Kandidaten mit „sympathischem“ oder „überzeugendem Auftreten“, die „flexibel“ sind und ein „hohes Maß“ an „Selbstständigkeit“, „Eigeninitiative“ und „Zuverlässigkeit“ mitbringen. Geboten werden im Gegenzug ein durchweg „kollegiales Arbeitsklima“, eine „leistungsgerechte Vergütung“ und „Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung“. „Wer soll sich von solchen Floskeln angesprochen fühlen?“
  5. Schrecken Sie Frauen nicht ab. Eine Studie der TU München zeigt: „Viele Frauen werden von Stellenanzeigen abgeschreckt, die zu stark mit männlichen Attributen gespickt sind“, schreibt die Studienleiterin Claudia Peus (Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement). Sie hat 260 Frauen und Männern fiktive Anzeigen vorgelegt und untersucht, wie beide Geschlechter auf bestimmte Wörter reagieren.  Adjektive wie „erfolgversprechend“, „offensiv“ und „analytisch“ sprächen eher Männer an, während Frauen Worte wie „engagiert“, „verantwortungsvoll“ oder „gewissenhaft“ bevorzugen. Dabei gilt: „Frauen lassen sich durch eine maskulin formulierte Ausschreibung von einer Bewerbung eher abschrecken, Männer aber nicht von einer femininen Wortwahl.“ „Die meisten Organisationen sind sich gar nicht bewusst, dass Sie einen großen Teil der Frauen durch die Wortwahl von vornherein ausschließen“, sagt Peus. „Das könnte zumindest zum Teil erklären, warum sich viele Arbeitgeber beklagen, dass sich bei Ihnen keine qualifizierten Frauen bewerben.“
  6. Bonustipp: Schauen Sie sich Ihre Arbeitgeberbewertungen auf Kununu an. Manchmal augenöffnend
  7. Bonustipp 2: Schade, das ich es schreiben muss, aber akzeptieren Sie bitte Bewerbungen per Mail und nennen eine gültige Mailadresse die auch Anhänge bis 5MB (besser 10) empfangen kann. Nichts ist schlimmer, als das ihre Kandidaten ständig Fehlermeldungen bekommen da Ihr Anhang zu groß ist. In lediglich 32% der untersuchten 120.000 Stellenanzeigen geben Arbeitgeber eine anklickbare        E-Mail-Adresse an. 6% nennen konsequent in jeder die gleiche Adresse, 23% geben keine an. Ja, Bewerbungsformulare sind toll. Wenn Sie funktionieren, Sie nicht nach 5 Minuten aus dem System werfen, oder Dinge von Ihnen wissen wollen die Ihre Mutter nicht einmal weiß. Geben Sie zumindest die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen. (Studie http://www.employer-telling.de)

Hier noch der versprochene „beten“-Bonus:

Für Bewerber: Bitte machen Sie nicht den Fehler und „hauen einfach etwas raus“. Als Bewerber geht es hier um Ihre Zukunft. Also um Ihre Zeit, Ihr Geld und Ihr Leben. Idealerweise gehen Sie eine Beziehung mit einem Unternehmen für viele Jahre ein. Manche Bewerber schreiben 100 Bewerbungen und ändern lediglich die Adresse und den Namen (manchmal noch nicht  einmal das). Seien Sie sorgfältiger dabei. Sehen Sie es als „Partnerwahl“. Sie gehen ja auch nicht auf eine Disko und sprechen 20 Frauen/Männer mit dem gleichen Spruch an. Zeigen Sie Interesse, Engagement und Informieren Sie sich. Stellen Sie sich vor, ihr Partner hätte Sie so „ausgesucht“.

Für Unternehmen: Früher war „post & pray“. Wir schreiben mal etwas zusammen und veröffentlichen es überall. Wir engagieren noch 3, 4 Agenturen die auf Provisionsbasis wahllos irgendwelche Menschen für uns ansprechen nach dem Motto „Viel hilft viel“. Unsere Stellenanzeigen lassen wir sowieso das ganze Jahr Online und wir warten mal ab, was so reinkommt. Kürzlich hat mir ein Kandidat berichtet, das er von 4 sogenannten „Recruiter/Headhuntern/Personalberatern…) auf die gleiche Position angesprochen wurde. Dazu kommt, das diese Position bereits seit über einem Jahr auf den Stellenportalen immer wieder aufgelistet wird. Was glauben Sie, welchen Eindruck Sie damit bei einem Menschen wecken? „Irgendetwas ist da bestimmt faul“ meinte er. „Wenn die solange schon suchen, stimmt da was nicht. Entweder kündigen die Leute reihenweise oder die finden niemanden. Das muss ja einen Grund haben“.

PS: Denken Sie daran:
– Genau dieser Atemzug könnte dein letzter sein.
– Die nächste Person die du siehst, könnte die letzte sein die du sehen wirst.
– Deinen Kindern ist es egal, weshalb du schlecht gelaunt bist und welchen Stress du gerade hast.
– Es gibt nie den richtigen Tag. Die eine Hälfte unseres Lebens sind wir für die Dinge zu jung, die andere Hälfte unseres Lebens sind wir für die Dinge zu alt.
Sei mal wieder verrückt.
Thimo Müller
Ihr Leben – Ihr Spiel – Ihre RegelnHat Ihnen etwas gefallen, besuchen Sie uns/mich auf …

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