„Du kannst doch nicht ständig neue Säue durch den Ort jagen.“

Jedes Jahr, gleich am Jahresanfang, schreibe ich eine Liste. So wie man das eben macht. Meine Ziele, Visionen, Purpose, Bestimmung und so weiter. Dann denke ich mir „was ein Quatsch“, vergesse Sie oder schmeiße sie irgendwann weg.

Warum? Es stehen zu viele Dinge darauf. Es kommen auch immer wieder die gleichen Sachen auf. Oder ich habe im Februar schon wieder andere, neue Ideen und ich ärgere mich darüber, das ich nicht „bei der Sache“ bleiben kann.

Nach dem Motto: „Langsam musst du doch mal wissen, was du willst. Du kannst doch nicht ständig neue Säue durch den Ort jagen. Irgendwann musst du doch mal ankommen.“

Muss ich das?

Wer sagt das?

Außerdem kann ich die Worte Purpose, Bestimmung, Sinn und Zweck nicht leiden. Irgendwie bedeuten Sie für mich, dass ich irgendwo in der Zukunft etwas finden werde, was mich glücklich macht. 

Und bis dahin soll ich bitte schön unglücklich sein, oder was?

„Ich bezahle mit Unglück heute und bekomme dafür Glück und Zufriedenheit morgen?“. 

Wir machen uns da etwas vor.

Wir meinen, wir müssten irgendwelche „Gebühren zahlen“ — eine Art Eintritt für eine Fahrt, an deren Ende wir an einem Ort abgesetzt werden, der uns glücklich macht. Auf dem „mein großer Lebenszweck“ steht. Ein Ort, an dem wir dann glücklich und zufrieden auf unser schweres Leben und unser Leiden zurück schauen und … sterben.

Oder aber…

Ich nutze meine Zeit, um jetzt glücklich zu sein.

Ich weiß noch immer nicht, was mein Zweck, Purpose und meine Bestimmung sind. Ich fürchte, ich werde es nie erfahren. 

Eigentlich macht mich das sogar ziemlich glücklich.

Vielleicht kann ich zwischen heute und dem Tag, an dem ich sterbe, noch ein bisschen was erleben. Noch ein paar Sachen ausprobieren. Neu Dinge und Leute kennen lernen, alte verlernen.

Und wenn ich es nicht tue – wenn ich auch morgen sterbe – ist das auch OK (denke ich). 

Was bedeutet das alles, wenn wir tot sind? Ich kann mich doch genauso gut dafür entscheiden, jetzt glücklich zu sein.

Übrigens: Ray Kroc hat mit 50 noch Milchshakes verkauft. Dann stolperte er über zwei Brüdern mit dem Nachnamen McDonald. Er kaufte McDonalds, als er 52 war.

Stan Lee (Marvel) erfand Spiderman mit 44. Ich habe also noch ein halbes Jahr Zeit, bis ich 45 werde. 

Arianna Huffington, Huffington Post, 55 Jahre

Mir geht es immer weniger um „Was will ich?“ und immer mehr um „wer bin ich?“

Weniger um „wohin will ich?“ und mehr darauf konzentrieren, „wo Ich mich befinde“

Ziele, Visionen und Bestimmungen sind wie eine schwere Rüstung für mich. Ich bin unbeweglich. Komme nur schwer aus ihr heraus. Kann kaum nach allen Seiten sehen und spüre nichts mehr.

Ich möchte mich einfach JETZT entscheiden, wer ich bin, und dann diese Person sein

— in diesem Moment.

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